Gespeichert unter: Portrait | Schlagworte: arthur dent, christoph leich, die antwort, die sterne, discount, fast weltweit, frank spilker, frank will, frank-spilker-gruppe, hamburger schule, staatsakt, thomas wenzel
„Humor ist ohne eine gewisse Traurigkeit irrelevant“
Sein Markenzeichen ist die unverwechselbare Stimme, die Ihn in den neunziger Jahren zum Frontmann der Hamburger Band „Der Sterne“ machte. Sein Talent ist das Schreiben von Texten, die hintersinnig und ironisch sind und sich zitatenreich zwischen Politik und Privatem bewegen. Der es schafft mit wenig Worten große Gedanken zu erzeugen. Dessen schnöseliger, manchmal unverständlicher Gesang, einen die Ohren spitzen lässt.
Ein Mann, der trotz seiner Größe immer etwas schüchtern und melancholisch wirkt, obgleich seine Augen verraten, dass hinter dieser Fassade ein wacher Beobachter lauert. Er hat deutsche Musikgeschichte geschrieben und denkt nicht daran damit aufzuhören. Die Rede ist von Frank Spilker.
„Bad Salzuflen – ich fühl’ mich wohl“ ist der Slogan der Website des ostwestfälischen Kurorts, in dem Frank Spilker 1966 geboren wurde. Seine Wurzeln liegen hier fest verankert, nicht nur der Herkunft wegen, sondern auch musikalisch. In der kleinen Provinz wurde 1985 das Independent-Label „fast weltweit“ gegründet. Damals dachte wohl niemand daran, welche Bedeutung einst dahinter stecken würde. „fast weltweit“ pflasterte den Weg für die „Hamburger Schule“ und somit für die deutschsprachige Pop-Musik. Die „Hamburg-Ostwestfalen-Verbindung“ entstand durch Mitbegründer Bernd Begemann, der als erster Ostwestfale nach Hamburg ging und seine Band „Die Antwort“ gründete. Durch dieses Verbindungsstück bekamen „fast weltweit“-Bands die Möglichkeit in Hamburg aufzutreten. So auch Frank Spilker. Er spielte zunächst bei „Discount“ und „Arthur Dent“ bis er seine „Sternstunde“ hatte. Er gibt seiner in wechselnder Besetzung auftretenden Band den Namen „Die Sterne“, wie er sagt: „damit das kein anderer mehr tun kann“.
1991 zieht Frank Spilker ebenfalls nach Hamburg und festigt dort seine Band zusammen mit Frank Will an den Tasten, Thomas Wenzel am Bass und Christoph Leich an den Drums. In dieser Besetzung lernt man sie 1992 kennen und in dieser Konstellation prägten sie die „Hamburger Schule“ und die deutschsprachige Pop-Musik bis heute.
Eine Leinwand ohne Farbe ist wie eine Melodie ohne Text.
Frank Spilker gehört wahrscheinlich zu den besten deutschen Songwritern. Er ist Zeit-, Ohren- und Augenzeuge unserer Zeit. „Ich will durch meine Texte das Bewusstsein stärken, dass es sich lohnt und auch wahnsinnig wichtig ist, gegen Missstände die Stimme zu erheben.“ Frank Spilkers Texte hören sich nicht glatt runter, sondern haben Ecken und Kanten über die man stolpert. „Das ist eben mein Ich oder meine Identität oder meine Art, mich auszudrücken.[...] Diese Art zu schreiben gehört einfach zu mir, wie eine zweite Haut.“ Aus diesem Grund empfand es Spilker als großes Glück, dass seine Songs und Texte in Hamburg schnell auf offene Ohren stießen und er Teil der Szene wurde. Heutzutage will Frank Spilker das Leben in der Großstadt nicht missen. Ihr verdankt er ein inspiriertes und kreatives Umfeld. Doch nicht nur die Musik hat es ihm angetan, auch die Prosa. So veröffentlichte er ein Online Tournee-Tagebuch und schrieb die Erzählung „Alte Liebe“. Frank Spilker, ein Mastermind.
„Die Sterne“ sind erstmal erloschen und machen Pause. 2006 veröffentlichten sie ihr vorerst letztes Album „Räuber und Gedärm“.
Frank Spilker kann aber nicht still sitzen. Das konnte er schon in der Hamburger Schule nicht. Zu viele Dinge und Ideen schwirren Ihm im Kopf herum, die Platz auf Papier brauchen. Aus diesem Gedankengut entstand nun im März 2008 „Mit all den Leuten“, sein Solodebüt unter dem Berliner Label „Staatsakt“. Seine Band bekommt den fantasiereichen Namen „Frank Spilker-Gruppe“ (kurz: FS.G). Vielleicht um zu zeigen, dass es sich hierbei um die Person Frank Spilker handelt und nicht um die Gruppe „Die Sterne“. Dieses Projekt ist ein Versuch, seine eigene Musik zu präsentieren. Und so hören wir auf diesem Album leisen und lauten Blues, einen angetrunkenen Chanson, vertrackten No Wave, luftigen Pop, Hammerbeats und Hymnen. Ein roter Faden zieht sich durch das Album, der dem aufmerksamen Hörer nicht entgeht. Frank Spilker beginnt bei der Unsicherheit, der Einsamkeit, dem Teufel Zweifel und endet in der feierlichen Umarmung seiner selbst. Der innere Rückzug wird zum Ausbruch nach Außen, zu einer Lebensumarmung bei vollem, kritischem Bewusstsein. Wer neue Ziele hat, muss neue Wege gehen.
Wer Frank Spilker live sehen will, hat am 03.04.2008, im Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde, die Chance dazu. Im Rahmen der Ausstellung „stadt.land.pop“, die sich mit den Künstlern und der Szene der „Hamburger Schule“ beschäftigt, gibt die „Frank Spilker Gruppe“ ein Konzert. 20.00 Uhr ist Beginn. Karten gibt es unter 02529/945590.
Janina Tenge
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