„Stadt. Land. Pop.“ lautet der Name einer Ausstellung über die Anfänge einer ganz speziellen Richtung der deutschsprachigen Popmusik. Gezeigt wird sie in dem kleinen Dorf Stromberg – irgendwo weit ab vom Schuss in der ostwestfälischen Provinz. Es geht um die Hamburger Schule. Aber was hat die große Metropole mit Ostwestfalen zu tun? Ganz einfach, eine Vielzahl der Begründer der genannten musikalischen Bewegung stammt aus der verschlafenen Provinz an der Grenze zu Niedersachsen. Aber verschlafen, das war nichts für die jungen Wilden. Sie wollten es krachen lassen, was die poppige Ausstellung mit Hilfe knalligen Farben, provokativen Texten und deutschsprachiger Musik deutlich herausarbeitet.
Der Name der Ausstellung erinnert an das beliebte Spiel aus Kindertagen. Wer kennt es nicht? Vor allem auf Klassenfahrten hieß es immer: „Komm, lass uns ’ne Runde spielen!“ Also gut, warum eigentlich nicht? Los geht’s. Buchstabe: „B“! Mal überlegen… Stadt: Bielefeld. Land: Klar, Bundesrepublik. Pop: Blumfeld.
Das passt ziemlich gut, vor allem wenn man bedenkt, dass die 1990 gegründete Band Blumfeld, die u.a. neben Bernadette La Hengst und Die Sterne Teil der Hamburger Schule war, im weitesten Sinne ihren Ursprung in Bielefeld hatte. Machte doch Bandgründer Jochen Distelmeyer genau hier in der Leinenstadt seine ersten musikalischen Gehversuche. Aus der sogenannten Großstadt Bielefeld hat es den jungen Musiker damals dann aber nach Hamburg, in die große Metropole, zum Tor zur Welt, getrieben. Hier war das Pflaster heißer, die Welt größer und die Möglichkeit sich musikalisch auszutoben definitv gegeben. Ganz im Gegensatz zu Distelmeyers Heimatort.
Beim Erkunden der Ausstellung stolpert man über das entscheidende Detail: Distelmeyer wohnte nicht einmal wirklich in Bielefeld. Vielmehr kam der Enkel eines Zahnarztes aus einem Viertel, das lediglich wie ein Anhängsel an die Stadt wirkt: Brake bei Bielefeld. Ein kleiner beschaulicher Stadtteil, der durch seine Randlage im Norden der Stadt beinahe eigenständig wirkt – war er schließlich auch mal. Bestärkt wird dieser Eindruck auch noch durch das kleine Wörtchen „bei“ im Namen. Distelmeyer kommt also eher vom Land als aus der Stadt. Ein Umstand den er mit vielen seiner Sangeskollegen aus der Hamburger Schule teilt. Bernadette La Hengst stammt zum Beispiel aus dem kleinen Kurort Bad Salzuflen. Das Durchschnittsalter der Bewohner dürfte dort jenseits des Renteneintrittsalters liegen. Scheinbar ist es also kein Wunder, dass es Distelmeyer irgendwann an die Elbe zog. Natur, Herzlichkeit und Ruhe, wie man sie in einem Dorf erlebt, sind sicherlich nicht schlecht, aber gerade Letztere waren für Distelmeyer und Kumpanen mit Sicherheit ein Problem: In der Dorfidylle ist für mehr als musikalische Gehversuche einfach kein Platz. Würden doch Beschaulichkeit und Frieden damit deutlich beeinträchtigt, ja sogar zerstört.
Bleibt am Ende nur eine neue Runde Stadt. Land. Pop. mit dem Buchstaben „B“.
Land: Bundesrepublik. Pop: Blumfeld. Ach ja, und Stadt: Bloß nicht Brake bei Bielefeld.
Ariane Rogge
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