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Wie sich Studenten der Universität Paderborn dem Popjournalismus nähern.
Samstag, 9:15 Uhr, etwa ein Duzend junge Menschen versammeln sich im 7. Stock der Universität Paderborn. Darunter auch Herr Weil, ein „Popper“, oder allgemein verständlicher formuliert, ein Masterstudent des deutschlandweit einzigartigen Studiengangs „Populäre Musik und Medien“. Wie jeden morgen klappt er übermüdet sein dekadent schickes Notebook auf und sieht kurz nach dem Rechten in der Welt bei spiegel-online und intro.de. „Die tägliche Lektüre journalistisch aufgearbeiteter Ereignisse der Pop-Branche ist für Lehre und Privatbereich äußerst befruchtend und unabdinglich“ flüstert Weil mir zu, ohne sich danach das Grinsen verkneifen zu können. Image ist alles, als Popper und als Popmusiker. Auch als Popjournalist? Eine Antwort auf diese und weitere Fragen erhofft sich der 20 jährige im Verlauf des Seminars.
Jochen Bonz, Poptheoretiker in weitestem Sinne und Musikjournalist (er hat unter anderen für Intro, taz und Radio Bremen gearbeitet) leitet die Lehrveranstaltung. Er beginnt nach kurzem Vorgespräch mit einer praktischen Übung. Drei Artikel aus popkulturellen Bereichen sollen nach strukturellen, sprachlichen und inhaltlichen Gesichtspunkten erfasst und bewertet werden. Gängige Praktiken des journalistischen Schreibens werden nach und nach von den Studenten erfasst und im Gruppengespräch erläutert. Dabei streut Bonz immer wieder informative Randinformationen und Insiderwissen ein. „Wenn man immer nur mit den abstraktesten Medientheorien und weltfremden Analysen von Popkulturphänomenen beworfen wird, ist man froh, mal ein wenig praxisnaher unterrichtet zu werden.“ lässt Weil in unserem Nachgespräch verlauten und zeigt damit einen leichten Unmut gegenüber einigen Bereichen seines Studiums. Viele Fächer seien zu theoretisch und ohne Bezug zur Wirklichkeit, meint er. „Popjournalismus“ bilde da eine Ausnahme.
Während der zweiwöchigen Pause bis zum nächsten Blockseminar wird den Studenten aufgetragen, ein Konzept für eine journalistische Arbeit zu entwerfen, die sich in irgendeiner Weise mit einer demnächst in Stromberg, Ost-Westfalen, stattfindenden Ausstellung über die so genannte „Hamburger Schule“ befassen soll. Als „Hamburger Schule“ wird gemeinhin der musikalische Kreis um Bands wie Tomte, Tocotronic oder Blumfeld bezeichnet, meist ausgehend vom Label Grand Hotel van Cleef.
Weil entscheidet sich für eine Plattenkritik des Albums „Heureka“ der Band Tomte. Thees Ulmann, Sänger von Tomte ist Identifikationsfigur der Hamburger Schule. Das dies so ist, ist nach eigener Aussage auch das einzige, was Weil über die Hamburger Schule weiß. „Ich hasse Tocotronic, mehr kann ich nicht sagen.“ Offensichtlich weiß er noch, dass Tocotronic ebenfalls der Hamburger Schule zugeschrieben wird.
Den Faktor „Unwissenheit“ versucht sich Weil nun zu Nutze zu machen. In den letzten Wochen vage herausgebildete Vorstellungen von einem gewissen Kult-Status von Tomte und deren Labelkollegen von Grand Hotel van Cleef in der intellektuellen Szene will er anhand von „Heureka“ auf Rechtfertigung überprüfen; und das ohne den kontextuellen Hintergrund von Band, Label und Hörerkreis zu berücksichtigen. Er kennt ihn schlicht nicht.
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An der Uni Paderborn haben Studierende die Möglichkeit, Erfahrungen in ihren zukünftigen Arbeitsbereichen zu sammeln. Journalistische Texte schreiben, die anschließend veröffentlicht werden, fotografische Arbeiten gestalten, Filme oder Radiomitschnitte produzieren – das Feld der Möglichkeiten ist dabei groß. Lieschen Müller, Studentin der Populären Musik und Medien, nutzt dieses Angebot. „Ich versuche jedes Jahr mindestens ein Praxisseminar zu machen. Da kann man sich super ausprobieren.“ Im Wintersemester 2008 wird der Kurs „Kulturjournalismus“ angeboten. Die Studierenden eignen sich zunächst die Grundlagen zum Verfassen journalistischer Texte an und analysieren verschiedene Zeitungsartikel, um Genres und Ausdrucksweisen kennen zu lernen. Anschließend fangen sie an, eigene kleine Artikel zu verfassen. „Ein Thema zu finden ist gar nicht so schwer“, Lieschen Müller. „Wenn man einen Anfang gefunden hat, macht das Schreiben sogar richtig Spaß.“
Neben der Themensuche müssen sich die Studierenden entscheiden, welches Genre sie wählen – eine Reportage, einen Kurzbericht oder ein Portrait. Die genaue und ausführliche Recherche bewältigen die Studierenden allein. „Unser Dozent ist natürlich für Fragen jederzeit ansprechbar“, so Lieschen. Sie selbst hat für das Seminar ein Interview über die Ausstellung „Stadt.Land.Pop“ geführt. Diese Ausstellung zur Hamburger Schule wurde mit Hilfe von Studierenden der Universität Paderborn und der Universität Münster erarbeitet und findet vom 27.11.2008 bis 19.05.2009 in Haus Nottbeck statt.
Zum Abschluss des Seminars werden die Arbeiten der Studierenden auf einem Internet-Blog veröffentlicht, verrät der Dozent und Kulturjournalist Jochen Bonz. „Wir besprechen die Arbeiten daher im Vorfeld ausführlich.“ Solche oder ähnliche Seminare gibt es inzwischen immer häufiger. Die Universitäten werden langsam praxisorientierter. Den Studierenden kann das für die Zukunft nur helfen.
Doreen Dang
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Die Zeit begleitet eine junge Germanistik-Studentin bei ihren ersten journalistischen Schreibversuchen
Paderborn. Manchmal kann das Leben als Journalist für eine namhafte Zeitung oder Zeitschrift ziemlich hart sein. Stress, Schreibblockaden oder Schlaflosigkeit sind neben akutem Zeitmangel nur einige Symptome, die heutzutage viele Journalisten plagen.
Ganz anders geht es in dieser Hinsicht momentan der Paderborner Studentin Susi Joost. Im Rahmen ihres 2-Fach-Bachelor-Studiums mit den Fächern Deutschsprachige Literaturen und Medienwissenschaft sammelt die junge Frau zur Zeit Erfahrungen in einem kulturjournalistischen Praxisseminar. Bis jetzt läuft alles ganz gut“, resümiert die Studentin nach ersten kursinternen Schreibversuchen und präsentiert ihren bereits abgabefertigen Artikel. „Eigentlich sollte der erst in zwei Wochen fertig sein, aber durch ein Praktikum bei einer Zeitungsredaktion, welches ich in den Sommersemesterferien absolviert habe, konnte ich die Vorankündigung fast ohne Probleme verfassen.“
Trotzdem ist der Studentin der Austausch unter Kommilitonen nach wie vor wichtig und sie freut sich über jeden hilfreichen Tipp des Seminarleiters Jochen Bonz. Beim Verfassen ihres Artikels konnte Susi vor allem von Recherchehinweisen des Dozenten profitieren, denn vom vorgegebenen Thema ‚Deutsche Musik und Hamburger Schule’ hatte sie zunächst wenig Ahnung. Nach einigen Links und etlichen Informationen zu Bands, CDs und Hintergründen begann sie mit ihrer Aufgabe und verfasste in kurzer Zeit eine Vorankündigung zu einem Konzertabend der Künstlerin Bernadette La Hengst. „Die Solokünstlerin gibt ein Konzert bei der Ausstellung ‚Stadt.Land.Pop’ im Kulturgut Nottbeck und hat eine besonders interessante Biographie“, begründete die Paderbornerin zu Beginn der Arbeit ihre Entscheidung. Und diese sollte sie nicht bereuen.
Abzuwarten bleibt allerdings noch die Note, die sie für ihren Artikel erhalten wird. Susi sieht der Notenvergabe eher gelassen entgegen: „Eigentlich ist das gar nicht so wichtig. In erster Linie geht es doch um Erfahrung, Austausch und Übung.“ Recht hat sie. Denn Übung macht ja bekanntlich den Meister.
Auch wenn die ersten vorsichtigen Schritte im journalistischen Bereich spielend leicht scheinen, führt der Weg in einen hart umkämpften Berufszweig. Darüber ist sich die 22-Jährige allerdings bewusst und genießt in ihrer Studentenzeit noch die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm.
M.J.